Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst

Meine Daten alias mein digitales Ego gehören mir. Zur Wahrung dieses höchsten Guts ward ein Stück weit Kontrolle über dieses neumoderne Interwebz an mich gerissen worden.

Termination

„WHATSAPP DEAD“ titelte mein geistig‘ Revolverblatt reißerisch. Zurecht, wurde dieser Instant-Messaging-Dienst doch irreversibel terminiert. Analog zum unreinen Bastard Facebook Messenger und zum großen Bruder Facebook selbst – welch tragische Familientragödie. Alle drei Plattformen glichen schaudererregenden Geisterstädten; bewohnt von räudigen Resten rüstiger Rentner und primitiven Pulks provinzieller Pfeifen. Hervorgerufen durch die massenhafte Abwanderung meines (a)soziales Umfeldes gen Telegram und Signal. Und meinereine lief braven Schafestum mit. Darüber hinaus kehrte meine Wenigkeit mehr als einhundert weiteren Plattformen, Diensten und Netzwerken, die im Laufe der Zeit ausprobiert und nach kurzer, intensiver Sondierung brachgelegen lassen wurden, erst die kalte Schulter und dann den blanken Rücken zu. Nehmt dies!

Migration

„Adieu, Google!“, so wurd‘ gesagt und auch getan. Zumindest im praktisch vertretbaren Rahmen. Es galt, genutzte Google-Dienste zu eruieren, vorhandene Datens(ch)ätze aus dem unermesslich weiten Googleversum zu tilgen und der künftigen Erhebung weiterer Informationen einen eisernen Riegel vorzuschieben. Respektive zwei Riegel. Oder drei. Ach was, eine vollständige Jahresproduktion stählerner Riegel gar. Stand zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels ist, dass diverse Googleapps zwar weiterhin verwendet, jedoch nicht mehr länger personalisiert werden. Hashtag #Kompromiss und so. Ihnen allen wohnt fortan eine unvergängliche Jungfräulichkeit inne. Andere Services unterlagen der Migration: Google Mail ist nun Protonmail, Google Maps hingegen OpenStreetMap und die Googlesuche selbst mutierte zur unerwartet sensationell anmutenden Alternative Duck Duck Go.

Restriktion

„Die Mauer muss her!“, proklamierte mein groteskes Gewissen pöbelnd. Sinnbildlich, nicht buchstäblich. Und so setzte ich Stein auf Stein, um Eingangs- sowie Ausfalltore der von mir präferierten Betriebssysteme rigiden Restriktionen zu unterwerfen. Abenteuerliche Untermenüs galt’s zu durchforsten, hanebüchen versteckte Optionen aufzudecken und unzählige geöffnete Ports zu schließen (was für eine zeitfressende Krepelarbeit). Meine Windows- und Androidinstanzen funktionieren seitdem weiterhin höchst komfortabel – doch schweigen nach außen hin betreten. Ähnlich erging es den gebügelten Krägen anderen Apps und WebApps; ich ging sie zürnend an und verurteilte sie zu dauerhafter und meines Erachtens durchaus gerechter Grabesstille. Auch Alexa nahm ich barsch – rigoros vom Netz, selbstredend. Offline-Blechdose FTW. Letzten Endes verfiel sogar die heimische Fritz!Box der Monogamie; sie lässt nur noch vordefinierte MAC-Adressen rein – und die Logins allerlei gehaltvoller Anwendungen und sogar dieses pinken Blogs verlangen neuerdings mindestens nach einer Zweifaktorauthentifizierung.

Renovation

„Tausche silberweißes Übergangsmetall gegen lichterloh glühenden Reineke.“ stand’s am Schwarzen Brette des Luischen Wolkenkuckucksheim geschrieben. Ganz recht – nach Jahren treuer Herzlichkeit trat ich Google Chrome bar jedweder Vorwarnung trotzig in die moddrig-miefende Tonne – und besetzte dessen trauten Platz mit Chromium und Firefox. Ersteren zur unbeholfenen Webentwicklung, Letzteren für andachtsvolle Momente der Philosophie und Pornografie. Jeweils ausgestattet mit illustren Erweiterungen wie HTTPS Everywhere von The Tor Project und der Electronic Frontier Foundation (EFF), Privacy Badger (ebenfalls von der EFF) sowie UBlock Origin, einem quelloffenen und Ressourcen sparenden Webfilter, der im Gegensatz zu bequemen Scheinlösungen wie Adblock-Plus oder Ghostery keine kommerziellen Intentionen verfolgt. Deaktiviert sind per Default außerdem History, Cache, Third Party-Cookies, jedwede Synchronisation und Features wie die HTML Geolocation-API. Inklusive etwaiger nerviger Nachfragen.

Reanimation

Phewwww ☺️ Diese Ruhe. Dieser Frieden. Zirpende Grillen und rollendes Tumbleweed. Erleichterung macht sich breit; Tiefenentspannung. Ich atme hörbar durch, ohne unter den Qualen der Datenversklavung zu röcheln. Ein Gefühl von Freiheit stellt sich ein; davon, ein Stück weit Kontrolle zurückgewonnen zu haben. Ein Kleines zwar, doch nichtsdestominder spürbar. Künftig gebe wieder ich fröhliche Liedchen anstimmend den Ton an und entscheide, soweit möglich, selbst, was ich wo und wie nutze – und welche Informationen ich über mich preisgebe.