2018 in a Nutshell

Meine Wenigkeit durchstand ein gar herrlich‘ 2018 – ich wünschte nur, ich bemerkte es ein wenig früher. Denn: Retrospektiv betrachtet mutete es bisweilen langweilig bis ereignislos an; zu schwer mahlten die trägen Tretmühlen des Alltags gen Ende des Jahres. Monotone Beschäftigungen kollidierten mit trister Wohnsituation Existenzaufrechterhaltung prallten gen bewusste soziale Isolation. Einzig kunterbunte Spielehighlights stachen aus jener trüben Suppe wabernder Nebeltrostlosigkeit heraus – und das eine oder andere höchst erbauliche Stelldichein. Ladies & Gents, es folgt eine mit viel zu vielen Selfies untermalte Zusammenfassung, da … ja nun … eh … weil wegen Baum!

1. Quartal

Schrieb ich von Tristesse? Pustekuchen – 2018 startete fulminant durch: dreineinhalb Wochen Remotearbeit in den Räumlichkeiten der dynamischen .NFQ Asia in Ho Chi Minh City, Vietnam. Mit kurzweilig-unterbrechender Vier-Tages-Spritztour gen Bangkok, da ich das Land aufgrund des Erreichens des Limits der gesetzlichen Visafreiheit leider, leider verlassen werden musste und mein ad hoc arrangiertes Monatsvisum länger benötigte, als geplant. Merke: Bürokratie ist überall gleich. Nun, three nights in Bangkok genügten zur Genüge, einen neuen Spitznamen zu gebären: Ladyboy-Lui (frag nicht!).

Abseits solch feuchter Sidequests vermochte mein straffer Vietnamaufenthalt mit scharfer Munition aufzuwarten, welche unter Zuhilfenahme eines M60 Maschinengewehrs kraft meines Amtes hinein ins grüne Dschungelparadies geschmettert wurde (crazy Shit – immerhin gabs Ohrenschützer dazu!). Gefolgt von einem dezent touristisch angehauchten Besuch der Unicorn Island im Mekongdelta. Und untermalt mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten, erquickenden Tindermatches und vielen, vielen starken vietnamesischen Kaffees. Mit Eis, versteht sich. Hach ja, welch imposanter Jahresauftakt – von Tristesse keine Spur. Noch.

Heiß, feucht und wunderschön: Naturell (und Bürger) der 14,5 Millionen Einwohner-Metropole Bangkok.
Heiß, feucht und wunderschön: Naturell (und Bürger) der 14,5 Millionen Einwohner-Metropole Bangkok.
Bangkoks Rama I Road: Skytrain-Knotenpunkt trifft auf Konsumtempel, Kulinarik und Amüsement.
Bangkoks Rama I Road: Skytrain-Knotenpunkt trifft auf Konsumtempel, Kulinarik und Amüsement.
Mekongquerung (trockenen Fußes), um Unicorn Island die Aufwartung zu machen. Nicht im Bild: brütende Hitze.
Mekongquerung (trockenen Fußes), um Unicorn Island die Aufwartung zu machen. Nicht im Bild: brütende Hitze.
Frisen-Face, die Erste: lächelndes Gesicht bei ~20 cm Beinfreiheit im Aeroplan der AirAsia.
Frisen-Face, die Erste: schmerzverzerrtes lächelndes Gesicht bei ~20 cm Beinfreiheit im Aeroplan der AirAsia.
Frisen-Face, die Zweite: lächelndes Gesicht bei ~30 °C über den Dächern Ho Chi Minh Citys.
Frisen-Face, die Zweite: alkoholverzerrtes lächelndes Gesicht bei ~30 °C über den Dächern Ho Chi Minh Citys.

2. Quartal

Ähnlich imposant entwickelten sich Spätfrühling und Frühsommer: Zurück in kühle europäische Gefilde verfrachtet standen eineinhalb Wochen heiteren Aufenthalts in Edinburgh und Glasgow auf dem Tagesplan – zur Beehrung von Freunden und Verwandten. Trotz des ruppigen schottischen Klimas (kalter Nebel, heißer Nebel, stürmischer Nebel, stehender Nebel, nebliger Nebel, etc…) ward mir dort eine durch und durch flaumig-schmiegsame Zeit zuteilgeworden. Welche Augenblicke später von mehrtägigen Ausflügen nach Frankfurt am Main, Mainz, Berlin und Wien abgelöst wurde; Stets mit den hehren Zielen einhergehend, verstaubte Freundschaften auszumisten – oder rundum zu erneuern – und den einen oder anderen eisgekühlten Gin Tonic abzustauben. Was ich hinlänglich tat, vor allem Letzteres. Darüber hinaus galt außerdem selbstredend dieselbe Prämisse wie eh und je: Grabbel so viele Pokémon wie nur möglich ab.

Nächtlicher Nebel über Edinburgh lud zum Denken und Sinnieren um Arthur's Seat ein.
Nächtlicher Nebel über Edinburgh lud zum Denken und Sinnieren um Arthur’s Seat ein.
Täglicher Nebel ... lud ebenfalls zum Denken und Sinnieren ein, diesmal auf Arthur's Seat Gipfel.
Täglicher Nebel … lud ebenfalls zum Denken und Sinnieren ein, diesmal auf Arthur’s Seat Gipfel.
2018 brachte viele Haarfarben mit sich: vom fiesen Kaugummipink in Mainz ...
2018 brachte viele Haarfarben mit sich: vom fiesen Kaugummipink in Mainz …
... über ein schlumpfiges Schlumpfblau in München (inklusive geschlumpftem Demisexual-Aufkleber) ...
… über ein schlumpfiges Schlumpfblau in München (inklusive geschlumpftem Demisexual-Aufkleber) …
... bis hin zu einem fiesen Lila in den trauten Federn meines Bettes. Mit Chloe 🧸.
… bis hin zu einem fiesen Lila in den trauten Federn meines Bettes. Mit Chloe 🧸.

3. Quartal

Pokéwort Stichmon: Das gesamte dritte Viertel des Jahres drehte sich im Kern in und um Pokémon GO herum – wie anno dazumal, in grauer Vorzeit, 2016 A. D.: Ich entschied, spontan übers Wochenende nach Athen zu fliegen. Alleine. Um, nun ja, weitere Liter frischen Gin Tonics zu schlürfen, derweil ich durch die brüllendheißen Eingeweide der griechischen Hauptstadt marschiere. Um im Solo- sowie Multiplayermodus beflissen Pokémon zu catchen. Hierbei knüpfte ich trunkenen Gemüts kurz- bis mittelweilige Allianzen mit gravitätischen Griechen, jauchzenden Japanern, kessen Koreanern und temperamentvollen Türken. Wie unfassbar geil dieses kurze Intermezzo an der Ägäis anmutete – und wie unendlich sinnlos zugleich. Zur Festigung jener bedenklichen Herrschaft des akuten Nonsens vollführte meine Wenigkeit kurz darauf einen weiteren Trip nach Mailand – mit einhergehenden Tinderdates ohne Dates und ethanolbedingten Eskalationen samt Filmriss mit darauffolgender fünfmonatiger Abstinenz (die im Übrigen siegreich eingehalten wurde – leeres Weinglas statt leerer Worte).

Vom einen auf den anderen Tag mutierte ich vom Blondschopf ...
Vom einen auf den anderen Tag mutierte ich vom Blondschopf …
... zum Blond-im-Kopf. Schnipp-schnapp, weg war die blonde Pracht. Ohne triftigen Grund.
… zum nur noch Blond-im-Kopf. Schnipp-schnapp, weg war die blonde Pracht. Ohne triftigen Grund.

4. Quartal

Eben jener just erwähnte selbstauferlegte Alkoholverzicht ward angesichts der darauffolgenden schwermütigen Phase womöglich nicht die schlechteste 2018er-Entscheidung. Denn gen Ende des Jahres umhüllten Dunkelheit und Finsternis mein sonnig‘ Gemüt; die Zeit der Un-Worte brach an. Unwohlsein. Unzufriedenheit. Unglücklichkeit fraß sich wie ein Krebsgeschwür in jede Faser meines Körpers, entzog mir Licht, Energie und Lebenswillen. Körperlich hinterließ dieses Tief seine Spuren; so verlor ich nebst Lebenswillen und Appetit auch merklich an Gewicht, bis ich bei weniger als 69 Kilogramm strandete. Ein Wert, welcher bei einer Körpergröße von 1,90 Metern ein für mich bedenkliches Novum darstellte (doch mich zugleich relativ doppelplusungeil aussehen ließ). Der kurz darauf einsetzende Winter trug sein Scherflein dazu bei, mein empfundenes Gefühl von allseits omnipräsenter Kälte und Dunkelheit weiter zu intensivieren. Meh. Hier war sie nun, die eingangs erwähnte Tristesse; nistete sich gemütlich ein – und drohte mir, geselliger Dauergast zu werden.

Wohlan, 2018 war im Großen und Ganzen vornehmlich töfte – doch gegen Ende verlor ich diese seichte Erkenntnis vollends aus dem Sinne und vermochte nur noch die unmittelbare Trostlosigkeit wahrzunehmen. Mensch sei dank belehrten mich die letzten verbliebenen Tage des Jahres im warmherzigen Kreise meiner Familie eines Besseren – und ich erspähte zögerlich Licht am Horizont. Glitt zuversichtlich hinüber in 2019 – und finde mich nun zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen im bis dato betörendsten Abschnitt meines gesamten bisherigen Lebens wieder 😊

Nun denn – das war 2018 in a Nutshell. Turbulent, sinnfrei und recht vergnüglich.

Kurioserweise sorgte das durch Winterdepression hervorgerufene Untergewicht für Freude ob des eigenen Körpers.
Kurioserweise sorgte das durch Winterdepression hervorgerufene Untergewicht für Freude ob des eigenen Körpers.